WAZ-Themenwoche

Polizei: Bochum ist sicherer als viele Bürger glauben

Die Angst vor Wohnungseinbrüchen ist bei vielen Bürgern besonders ausgeprägt. Doch die Polizei beruhigt: Ebenso wie beim Straßenraub gehen die Zahlen zurück (allein 2016 um ein Drittel) oder bleiben weitgehend konstant.

Die Angst vor Wohnungseinbrüchen ist bei vielen Bürgern besonders ausgeprägt. Doch die Polizei beruhigt: Ebenso wie beim Straßenraub gehen die Zahlen zurück (allein 2016 um ein Drittel) oder bleiben weitgehend konstant.

Bochum.   Immer mehr Bürger haben Angst vor Raub und Einbrüchen. Ist die Furcht begründet? Wie sicher ist Bochum? Antworten liefert eine WAZ-Themenwoche.

Der Doppelmord an der Rottstraße ist noch immer ungesühnt. Fast täglich berichtet unsere Zeitung von Raub, Einbrüchen, Betrügereien: Immer mehr Bürger haben Angst, Opfer von Gewaltverbrechern und Dieben zu werden. Das weisen die Umfragen aus.

Doch die Polizei beruhigt und verweist auf die aktuellen Statistiken. Danach sei die Sorge weitgehend unbegründet; in Bochum lebe man nach wie vor „verhältnismäßig sicher“. Die WAZ schaut hinter die Zahlen. In einer heute beginnenden Themenwoche fragen wir: Wie sicher ist Bochum?

Bahnhof und Bermudadreieck sind Schwerpunkte

„Freitagabend bis Montagmorgen. Und mittwochs. Warum auch immer.“ Hans-Jürgen Hahne (60), Leiter des Innenstadt-Kommissariats, weiß, wann auf den Straßen die größte Gefahr droht. Am Wochenende und zur Wochenmitte werden die meisten Raubüberfälle begangen.

Schwerpunkte: der Hauptbahnhof und rund ums Bermuda-Dreieck. Senioren und Betrunkene gelten als besonders leichte Beute, weil von ihnen kaum Gegenwehr erwartet wird. Frauen seien so gut wie nie betroffen: „Sie gehen seltener allein nach Hause.“

190 Überfälle im Jahr 2016

„Was zunimmt“, sagt Hahne, „ist, dass die Täter häufiger zu zweit oder dritt auftauchen.“ Gewalttätiger, skrupelloser indes seien die Räuber nicht geworden. Und überhaupt: „Das Risiko für die Bürger ist weiterhin gering.“ 190 Überfälle auf Straßen und Plätzen wurden 2016 gemeldet. Zwar waren es im Jahr zuvor „nur“ 149, 2013 und 2014 jedoch noch weit über 200.

Vom Zwiespalt zwischen subjektivem Bibbern und nackten Bilanzen spricht auch Dirk Heßmann (54), im Kriminalkommissariat 13 für Einbrüche zuständig. 1283 Wohnungen in Bochum wurden 2016 von Dieben heimgesucht. Für jeden Bewohner ein Schock, allzu oft mit gravierenden psychischen Folgen.

Doch von Panikmache will Heßmann nichts wissen. Im Gegenteil: Die Zahl der Einbrüche ist im Vergleich zum Vorjahr (1809) um fast ein Drittel gesunken und liegt niedriger als vor 20 Jahren.

Langzeitstudie begann 1975

Die beiden erfahrenen Kripo-Beamten werden von der Ruhr-Uni bestätigt. In einer Langzeitstudie haben Kriminologen unter der Leitung von Prof. Thomas Feltes das Sicherheitsgefühl von Bochumer Bürgern untersucht. Viermal wurden zwischen 1975 und 2016 Befragungen durchgeführt.

Auffällig war zuletzt vor allem die Gefahreneinschätzung, die so gar nicht mit der Kriminalstatistik in Einklang zu bringen ist. So hielten es rund 20 Prozent der Befragten für wahrscheinlich, im kommenden Jahr selbst Opfer eines Raubes oder einer Körperverletzung zu werden. Das tatsächliche Risiko ist ungleich geringer.

Medienberichte verbreiten Angst

Feltes selbst hält die wachsende Furcht vor Verbrechen für den Ausdruck einer allgemeinen Verunsicherung. Die Ängste der Bürger würden „zum erheblichen Teil allgemeine Lebensängste infolge gesellschaftlicher Veränderungen ausdrücken“. Kripo-Mann Hahne ergänzt: „Die Bürger sind durch die Medien heute viel mehr auf Kriminalitätsfälle konzentriert und entwickeln eine eigene Angst.“

Ist die wachsende Furcht tatsächlich unbegründet? Die WAZ-Themenwoche liefert Zahlen, Fakten, Hintergründe,Reportagen und – so unsere Hoffnung – zahlreiche Beiträge unserer Leser.

>> IHRE MEINUNG IST GEFRAGT

  • Die Zahlen in der Kriminalitätsstatistik mögen zurückgehen oder zumindest stagnieren. Die eigenen Ängste aber lassen sich dadurch nicht beeinflussen.

  • Wie ist das bei Ihnen? Fühlen Sie sich in Bochum sicher? Sind Sie selbst schon einmal Opfer eines Einbruchs oder Überfalls geworden? In welchen Vierteln, in welchen „Angsträumen“ sind Sie besser nicht unterwegs?

  • Meiden Sie inzwischen Großveranstaltungen? Müsste die Polizei mehr Präsenz auf der Straße zeigen? Und was tun Sie, um sich sicherer zu fühlen?

  • Schildern Sie uns im Rahmen der Themenwoche „Wie sicher ist Bochum“ Ihre Meinungen, Erfahrungen und Erlebnisse: per Mail an redaktion.bochum@waz.de, über unsere Facebook-Seite oder telefonisch: 0234/ 966 14 33.

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