Sicherheit: Folge 1

Mit sicheren Fenstern Einbrecher stoppen

Das Sicherheitsfenster stellt auch für den Experten Johann Holecek ein unüberwindbares Hindernis dar.

Foto: Dietmar Wäsche

Das Sicherheitsfenster stellt auch für den Experten Johann Holecek ein unüberwindbares Hindernis dar. Foto: Dietmar Wäsche

Bochum.   Viele Einbrüche könnten verhindert werden, wenn Fenster und Türen besser gesichert würden. Regelmäßig gibt die Polizei Hinweise zur Prävention.

Routiniert, fast schon beiläufig lässt der Mann einen Schraubenzieher aus dem Ärmel seines Sakkos gleiten, setzt ihn am Fensterrahmen an, hebelt einmal unten, einmal seitlich – und das Fenster ist offen. Wenn der Mann wollte, könnte er jetzt bequem einsteigen.

Will er aber nicht. Denn das Fenster führt ins Nichts, dahinter befindet sich keine Wohnung, die man ausräumen könnte, keine potenzielle Diebesbeute. Und, was in diesem Fall viel entscheidender ist: Der Mann namens Johann Holecek ist nicht Einbrecher, sondern Kriminalhauptkommissar von Beruf.

99 Prozent der Einbrecher kommen durchs Fenster

Den Schraubenzieher beherrscht er dennoch wie ein Profi, auch das Brecheisen, und den gebogenen Draht, mit dem sich unverschlossene Türen binnen Sekunden öffnen lassen.

„99 Prozent der Einbrecher kommen auf diese Weise durchs Fenster“, sagt Holecek und setzt noch einmal den Schraubenzieher an. „Die gilt es, durch eine mehrpunktige Verriegelung abzufangen.“

Womit der Kriminalhauptkommissar, Abteilung Kriminalprävention, Opferschutz, Technik, bei seinem Thema ist: Einbruchsprävention. Jede Woche klärt er Bürger darüber auf, wie sie ihr Heim sicherer machen können.

„Über 75 Prozent der Fenster sind nicht vernünftig abgesichert“, sagt Holecek, und zählt sogleich die Möglichkeiten auf, die ergreifen kann, wer sein Zuhause vom Einbrecherparadies in eine Trutzburg verwandeln möchte: Stufe eins, das verschließbare „Superfenster“, dessen Glas auch Gullydeckeln und Gehwegplatten standhält, ringsherum mit einer „Pilzkopfverriegelung“ ausgestattet. An dessen Rahmen hinterlässt Holeceks Schraubenzieher zwar ein paar Macken und Dellen, doch öffnen kann er dieses Modell der „Widerstandsklasse 2, neudeutsch resistance class“ nicht.

Auch Türen können nachgerüstet werden

Unter Stufe zwei und drei fasst Holecek verschiedene Nachrüstmöglichkeiten für ältere Fenster zusammen: ein spezielles Gestänge zum Beispiel, aufschraubbare Sicherheitselemente, oder auch eine Folie, die das Glas verstärkt. Auch Türen können entweder ausgetauscht und durch sichere „RC2-Modelle mit mehrpunktiger rundumverlaufender Verriegelung“ ersetzt oder nachgerüstet werden.

„Wir appellieren an die Bürger, solche Arbeiten von vernünftigen Handwerksfirmen vornehmen zu lassen“, so Holecek. Als kleine Orientierungshilfe hat das Landeskriminalamt ein Prüfverfahren entwickelt und führt eine Liste mit zertifizierten Betrieben. Letzten Endes entscheide allerdings nicht nur der Einbau „geprüfter und zertifizierter einbruchhemmender Produkte“ darüber, ob Einbrecher Erfolg haben, sagt Holecek, sondern auch das eigene Verhalten: „Wenn eine Tür nicht nur zugezogen, sondern abgeschlossen wird, ist schon viel gewonnen.“

>>>>> Die Fakten

Die Zahl der Einbrüche in Bochum ist 2016 massiv zurückgegangen: von 1809 im Vorjahr auf 1283. Die Polizei führt das darauf zurück, dass sie den Wohnungseinbrüchen verstärkt den Kampf angesagt hat: u.a. mit mehr Streifen in Gegenden, in denen Diebe in jüngster Zeit besonders häufig zugeschlagen haben. Eine Übersicht liefert der „Wohnungs-Einbruchs-Radar“ www.polizei.nrw.de/bochum

Weitere Fakten laut Polizei:
– Es gibt stadtweit keine dauerhaften Einbruchs-Schwerpunkte.
– Die meisten Taten werden von organisierten Banden verübt.
– Die Sicherheit in vielen Wohnungen wird vernachlässigt. Motto: „Uns passiert schon nichts.“
– Die Aufklärungsquote ist mit ca. 10 Prozent erschreckend niedrig

>>>>> Seit diesem Tag ist nichts mehr normal

Der Einbruch in die Wohnung unseres Autors Gernot Noelle liegt Jahre zurück, doch sein ungutes Gefühl bleibt

Es ist der 3. Dezember 2007. Ein normaler Montag. Bis ich um 19 Uhr die Wohnungstür aufschließe. Seither ist vieles nicht mehr normal.

Als erstes fallen mir die aufgerissenen Schubladen im Flur auf. „Hast Du heute Morgen noch etwas gesucht?“, frage ich meine Lebensgefährtin. Nein, da war jemand anderes auf der Suche. Schnurstracks laufe ich in die Küche, schnappe mir ein Messer. Eigentlich viel zu riskant, doch das überlege ich erst Stunden später. Passiert ist zum Glück nichts. Die Einbrecher waren schon längst über alle Berge. Der Schaden hält sich in Grenzen: Eine Spardose ist geplündert, Parfüm-Flakons sind weg, meine Stoppuhr, eine Winterjacke, die Digitalkamera, leider auch der Familienschmuck.

Immerhin zahlt die Versicherung anstandslos

Die Versicherung schickt sofort am nächsten Tag einen Vertreter, zahlt anstandslos – immerhin. Die Kripo ist schnell vor Ort, sucht nach Finger- und Fußabdrücken und versucht zu beruhigen: „Statistisch gesehen haben Sie jetzt 30, 40 Jahre Ruhe.“ Na prima.

In der Regel lassen Einbrecher nach wenigen Minuten von ihrem Vorhaben ab, heißt es. Bei uns gaben sie sich richtig Mühe und versuchten es an mehreren Stellen, bis die Terrassentür nachgab. Die Pilzkopf-Verriegelungen waren falsch montiert...

Nein, ich denke nicht ständig an den Einbruch zurück. Aber er ist dennoch jeden Tag präsent. Immer dann, wenn ich die Haustür öffne und zuerst schaue, ob alles so ist wie vorher. Ich kontrolliere teilweise dreimal, ob die Türen abgeschlossen sind, lasse irgendwo im Haus immer Licht an und habe einen Baseball-Schläger im Kleiderschrank. Man weiß ja nie. Das ist das eigentlich Schlimme für mich am Einbruch: Kamera und Jacke sind zu ersetzen, das Sicherheitsgefühl nicht.

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