Rechtsstreit

Handy-Musik: Bochumer Wirt wehrt sich gegen 228 Euro Bußgeld

Matthias Murche (mit seiner Freundin Deborah Thies) soll 228 Euro Bußgeld zahlen. Auch Handys spielen im Streit des Wirtes mit der Stadt eine Rolle.

Foto: Ingo Otto

Matthias Murche (mit seiner Freundin Deborah Thies) soll 228 Euro Bußgeld zahlen. Auch Handys spielen im Streit des Wirtes mit der Stadt eine Rolle. Foto: Ingo Otto

Bochum.   Der Wirt einer Kneipe in Hamme soll 228 Bußgeld zahlen. Die Stadt verweist auch auf Handys von Gästen, aus denen nach 22 Uhr Musik zu hören war.

Musik sei im „Treffpunkt“ Nebensache, betont Matthias Murche. Die meist älteren Gäste wollten sich beim Knobeln und Kartenspielen „ja schließlich noch unterhalten können“. Umso erboster ist der Wirt der Hammer Kneipe über ein Bußgeld, das ihm das Rechtsamt aufgebrummt hat. 228,50 Euro soll er zahlen. „Und das nur, weil aus den Handys von zwei Gästen nach 22 Uhr Musik zu hören war.“ Die Stadt bekräftigt ihr Vorgehen.

Seit zwei Jahren ist der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte Pächter der kleinen Kneipe an der Herner Straße. Auf 68 Quadratmetern hat sich der 31-Jährige eine berufliche Existenz aufgebaut.

Dauerstreit mit Nachbarn

Die sieht er nun massiv gefährdet. Denn das Ordnungsamt und die Polizei sind seit Herbst 2016 quasi Stammgäste. Weil – mutmaßlich aus der Nachbarschaft – immer wieder Beschwerden über Musik nach 22 Uhr eingehen, stünden die Behörden immer wieder bei ihm auf der Matte, schildert Matthias Murche. „Dabei drehe ich die Anlage schon leise. Und nach zehn schalte ich sie ganz aus, obwohl das für eine Wirtschaft abends nicht gerade geschäftsfördernd ist. Die ständigen Kontrollen haben deshalb auch nie etwas ergeben.“

Entspannt blieb Murche daher auch, als im Februar zwei Mitarbeiter des Gewerbeaußendienstes auftauchten. Erst um 22 Uhr – laut Stadt, weil zu dieser Zeit noch Musik erklang. Dann erneut um 23.30 Uhr. „Hier läuft ja immer noch Musik!“, habe eine der Außendienstlerinnen gerufen und auf zwei Gäste gezeigt. Murche: „Bei einer Stammkundin klingelte gerade das Handy. Ihre Chefin rief an. Sie ging aber nicht dran. Deshalb dudelte ,Five Finger Death Punch’ einige Zeit als Klingelton vor sich hin.“ Der zweite Gast habe auf seinem Mobiltelefon ein Video geguckt: „ebenfalls in einer ganz normalen Lautstärke“, versichert der Wirt.

Stadtsprecher spricht von unglücklicher Formulierung

Im April traf der Bußgeldbescheid ein. Murche wird zur Zahlung von 228,50 Euro aufgefordert. Er habe am besagten Abend gegen seine Gaststättenerlaubnis verstoßen. Auch um 23.30 Uhr sei noch Musik zu hören gewesen. „Sie haben nicht unterbunden, dass Ihre Gäste diese Musik von ihren Handys abspielten“, lautet der Vorwurf.

„Eine unglückliche Formulierung“, räumt Stadtsprecher Thomas Sprenger auf WAZ-Anfrage ein. Die Handys seien für das Bußgeld nicht entscheidend. Sondern: die Musik, die bei dem 22-Uhr-Einsatz zu hören gewesen sei. „Ein klarer Verstoß gegen die Auflagen“, konstatiert Sprenger.

Wirt hat Schallschutzgutachten in Auftrag gegeben

Derweil hat Murche gehandelt. Ein Schallschutzgutachten soll über die Belästigung Aufschluss geben. Gegen das Bußgeld hat er Einspruch eingelegt: „Ich kann von meinen Gästen doch nicht ernsthaft verlangen, dass sie nach 22 Uhr ihr Handy auf lautlos stellen oder nicht angerufen werden.“

Sollte er aber. Die Stadt droht, dass „die Ordnungswidrigkeit mit einer Höchstgeldbuße von 5000 Euro geahndet werden kann“.

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