Schauspielhaus

„Gefährliche Liebschaften“ verführen das Publikum

Zwei, vor denen man sich in acht nehmen sollte: Therese Dörr als durchtriebene Marquise de Merteuil und Daniel Stock als ihr Ex-Liebhaber und  „Werkzeug“ Vicomte de Valmont.

Foto: Diana Küster

Zwei, vor denen man sich in acht nehmen sollte: Therese Dörr als durchtriebene Marquise de Merteuil und Daniel Stock als ihr Ex-Liebhaber und „Werkzeug“ Vicomte de Valmont. Foto: Diana Küster

Bochum.   Lust auf Intrigen? In Bochum werden „Gefährliche Liebschaften“ neu arrangiert, wenn der Rokoko-Klassiker im Schauspielhaus auf die Bühne kommt.

Mit „Gefährliche Liebschaften“ hat ein äußerst langlebiger Stoff im Schauspielhaus Premiere. Immerhin ist der gleichnamige Roman von Choderlos de Laclos bereits 1782 erschienen. Viele kennen die „Liebschaften“ aber eher aus dem Film von Stephen Frears mit Glenn Close und John Malkovitch in den zentralen Rollen des intriganten Adelspaares.

Schauspielhaus-Regisseur Jan Neumann lässt sich von der Vorgeschichte der „Liaisons Dangereuses“, die bis heute durchschlägt, aber nicht groß beeindrucken. Er macht sein eigenes Ding.

Eine Zeitreise ins feudale Frankreich

Er habe den berühmten Film von 1988 gar nicht gesehen, sagt Neumann, der schon öfters in Bochum Proben seines Könnens abgeliefert hat, und der für „Don Carlos“, „Bunbury“ und „Die Ehe der Maria Braun“ verantwortlich zeichnete.

Mit „Gefährliche Liebschaften“ wagt sich der 1975 geborene Regisseur auf eine Zeitreise ins feudale Frankreich, kurz vor der französischen Revolution.

Die Marquise de Merteuil (Therese Dörr) spielt ein riskantes Spiel mit der Liebe. Aus purer Lust an der Zerstörung knüpft sie gefährliche Liebschaften, die die Menschen, die sie verkuppelt, zu Grunde richten. Im Vicomte de Valmont (Daniel Stock), ihrem Ex-Geliebten, findet sie einen willigen Verbündeten.

Die beiden schließen eine Wette: Schafft er es, der verheirateten, tugendhaften Madame de Tourvel (Silja Bächli) die Ehre zu nehmen, soll eine Liebesnacht mit der Marquise der Preis sein. Bald aber werden die beiden selbst Opfer der Ereignisse, die sie lostraten.

Versatzstücke der Vergangenheit

Soweit die Geschichte. „Es ist ein Stoff, der jede Menge bietet“, sagt Jan Neumann. Ihn habe die Vielschichtigkeit des Romans fasziniert und die vielen menschlichen Vorlieben und Verwerfungen, die darin offenbar werden. Intrige und Missgunst, Liebe und Verachtung, Macht und Unterwerfung: Es sind zeitlose Themen, die in den „Liebschaften“ aufgeworfen werden. Die Freigeister des ausgehenden 18. Jahrhunderts tanzen einen Drahtseilakt über dem Abgrund ihrer Begierden. „Doch ihr Versprechen von der freien Liebe scheitert am wahrhaftigen Liebesgefühl zu einem einzigen Menschen“, umreißt Neumann das Spannungsfeld, auf dem er seine Inszenierung anlegt.

Das manipulative Spiel der beiden Hauptpersonen Valmont und Merteuil mit ihren Mitmenschen nimmt der Regisseur ernst: „Wir betreiben es mit der Kraft des ganzen Theaterapparats“, sagt er. Denn gerade auch die Erotik des Theaters liege in der ständigen Gratwanderung zwischen Wahrhaftigkeit und Lüge, zwischen Schein und Sein.

Geboten wird die alte, ewige Geschichte von einem hochkarätigen Ensemble, zu dem neben Stock und Dörr unter anderem Tim-Fabian Hoffmann, Roland Riebeling und Anke Zillich zählen. Die Kostüme nehmen die Rokoko-Epoche auf und sorgen für opulent-gepudertes Zeitkolorit. Auch das Bühnenbild (Matthias Werner) und die Musik (Camill Jammal) spielen mit Versatzstücken der Vergangenheit.

>>> Premiere ist am Samstag

Premiere am 22. April, 19.30 Uhr, im Großen Haus, Karten 0234/ 33 33-55 55. Aufführungsdauer 3 Stunden mit Pause.

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