Mit Handicap im Beruf

Ein Mitarbeiter mit ganz besonderen Fähigkeiten

Linus Schneider bei der Arbeit: Konzentriert sortiert er Schreibwaren.

Foto: Dietmar Wäsche

Linus Schneider bei der Arbeit: Konzentriert sortiert er Schreibwaren. Foto: Dietmar Wäsche

Langendreer.   Linus Schneider, ein junger Mann mit autistischen Zügen, fand in Ivana Rolovics Schreibwarenladen einen festen Job. Für beide ein Glücksfall.

Linus Schneider, 21, ist ein junger Mann mit ganz normalen Interessen: Er fährt viel Fahrrad, spielt gerne Fußball und in einer Musikschul-Band Gitarre. Und doch ist Linus anders – wunderbar anders. Er ist ein Mensch mit autistischen Zügen.

Eine Besonderheit, die es einem im Leben nicht immer einfach macht. Viele Menschen wie Linus haben es schwer, einen Platz in der Gesellschaft der vermeintlich Normalen zu finden. Linus Schneider hat es geschafft. In Ivana Rolovics Schreibwarenladen „Tintenklecks“ an der Alten Bahnhofstraße 11 in Langendreer hat er eine Festanstellung bekommen. Für beide ein echter Glücksfall. „Linus ist hier gar nicht mehr wegzudenken“, erzählt Ivana Rolovic und gerät dabei regelrecht ins Schwärmen über ihren besonderen Mitarbeiter. „Seit November arbeitet Linus bei mir. Er hat sich in dieser Zeit zu meiner rechten Hand entwickelt. So etwas habe ich noch nicht erlebt“, sagt die Geschäftsfrau.

Die Kunden lieben Linus

Ivana Rolovic und Linus Schneider kennen sich schon seit zehn Jahren. „Sein Papa kam oft mit ihm in den Laden, später auch Linus allein. Er ist schon damals durch seine höfliche und zuvorkommende Art aufgefallen.“ Attribute, die bei Linus Schneider auch heute noch hervorstechen. „Er ist immer gut gelaunt, super zuverlässig und würde mich nie anlügen“, lobt Ivana Rolovic, die ihm schon nach drei Wochen die Kasse und längst auch einen Schlüssel anvertraute. „Er passt super in den Laden“, findet die 43-Jährige. „Auch die Kunden lieben ihn und finden toll, dass er hier ist.“

Preise blitzschnell eingeprägt

Doch, eigentlich noch viel wichtiger: Vor allem Linus Schneider selbst ist glücklich. „Ich wollte als Kind schon Verkäufer werden“, verrät er. „Und ich liebe Schreibwaren; Hefte, Kugelschreiber, einfach alles.“ Was wo liegt und wie viel kostet, hat sich Linus Schneider schnell eingeprägt. Da kamen ihm seine besonderen Fähigkeiten sehr entgegen.

Dass Linus im „Tintenklecks“ prima aufgehoben ist, findet auch seine Mama Sylvia Schneider: „Er weiß sofort jeden Preis, hat sich früher schon die Öffnungszeiten der Geschäfte ebenso schnell gemerkt wie etwa Autokennzeichen und hat eine super Orientierung.“ Der Job im Schreibwarenladen ist für Sylvia Schneider „wie ein Sechser im Lotto“. Weil ihr Sohn „speziell“ ist, habe er keine Regelschule, sondern die Förderschule am Haus Langendreer besucht. Anschließend ging es weiter zur Werkstatt Constantin-Bewatt der Diakonie.

Geschäftsfrau wünscht sich Nachahmer

„In der Orientierungsphase dort ging es eher um Handwerkliches und Computer. Nicht so mein Ding“, sagt Linus Schneider. „Ich wollte lieber Verkäufer werden.“ Über ein Praktikum bei Ivana Rolovic wurde dann schnell eine Festanstellung – offiziell ein ausgelagerter Arbeitsplatz der Werkstatt Constantin-Bewatt, über die Linus Schneider weiterhin abgesichert ist. „Das war mir wichtig“, sagt Ivana Rolovic, „falls mir mal etwas passiert, sitzt Linus dann nicht auf der Straße.“ Sie würde sich freuen, wenn auch andere Geschäftsleute ihrem Beispiel folgen und Menschen mit Handicap einstellen. „Für mich war es die absolut richtige Entscheidung.“

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