Kino

Bochumer Unternehmer verändert mit Events die Kinowelt

Thomas Schülke macht im Kino alles, was ungewöhnlich ist. Die Vermittlung von Rockkonzert-Filmen gehört genauso zu seinem Metier wie Live-Übertragungen von Opern.

Foto: Klaus Pollkläsener

Thomas Schülke macht im Kino alles, was ungewöhnlich ist. Die Vermittlung von Rockkonzert-Filmen gehört genauso zu seinem Metier wie Live-Übertragungen von Opern. Foto: Klaus Pollkläsener

Bochum.  Thomas Schülke vermittelt ungewöhnliche Filmformate an Kinos. Konzerte gehören ebenso zu seinem Geschäft wie die Heiligsprechung von Päpsten.

Thomas Schülkes Welt ist die des Kinos. Doch was er den Lichtspielhäusern anbietet, hat mit klassischen Filmen nicht mehr viel zu tun. Der Bochumer ist ein Vorreiter in Sachen Event Kino. Für seine Leistungen wurde er jüngst sogar vom weltweit einzigen Verband dieser Branche nominiert.

Sei es ein Kiss-Konzert, die Heiligsprechung zweier Päpste oder die Übertragung eines Onlinespiel-Tuniers im Spiel „League of Legends“: Für den 50-Jährigen fängt das Kino da an, wo es für viele andere aufhört. Was er an deutsche Kinos vermietet, sind exklusive Events. Die Branche, in der er sich bewegt, ist dabei noch sehr jung: „Die Digitalisierung der Kinobranche liegt noch nicht weit zurück. Sie hat sich zwischen 2010 und 2013 vollzogen“, so der Kinofan.

Eigene Firma seit Dezember 2015

Erst mit den digitalen Apparaturen öffnete sich die Kinowelt vollends den ungewöhnlichen Vorstellungen. Und mit dieser Öffnung wagte der Filmliebhaber den Sprung in das neue Segment. Seit Dezember 2015 hat er seine eigene Firma in Bochum, die Schülke Cinema Consult GmbH, die er zusammen mit seiner Frau betreibt. Nur wenige zwei bis drei deutsche Unternehmen haben sich auf diesen Bereich spezialisiert.

Schon davor arbeitete Thomas Schülke als Marketing-Direktor für das Kinocenter UCI. So kam er auch mit dem Event Cinema in Berührung. „Das Haus im Ruhrpark wurde oft genutzt, um Dinge auszuprobieren“, erzählt er. Für ihn hat Bochum in Sachen Eventkino eine Pionierrolle eingenommen. So sei auch das Metropolis-Kino beim Eventkino sehr stark unterwegs.

Gemeinschaftserlebnis fasziniert

Lange Zeit war der neue Bereich jedoch den Marktgrößen vorbehalten. Schülkes Mission ist, auch den mittelständischen Kinos die neue Welt zu eröffnen. Mal vermittelt er die Filme lediglich, mal bietet er das Komplettpaket inklusive Marketing an. Wenn der Unternehmer von seiner Vision spricht, leuchten seine Augen: „Mich fasziniert, dass man mit anderen Menschen ein Gemeinschaftserlebnis hat“, so der Bochumer.

Wie er den Zuschauern den Film näherbringen kann, ist ganz unterschiedlich. Mal ist es lediglich die Aufnahme eines Konzerts, beispielsweise bei einem Konzert der Rolling Stones. Mal sind es aber auch Live-Übertragungen, beispielsweise aus dem Royal Opera House in London. „So kann ich Leute für das Kino gewinnen, die sonst nicht kommen würden“, sagt Schülke begeistert.

Preise gingen zuletzt nach Schweden und England

Für zwei Aktionen wurde seine Firma zuletzt auch vom Branchenverband „Event Cinema Association (ECA)“ beim Event Cinema Award in der Kategorie „Herausragender Beitrag zum Event Cinema“ nominiert. Einerseits, weil er für Verbreitung der Branche im unabhängigen Markt sorgt (so wurde eine Übertragung des Royal Opera House in 130 Kinos gesendet), andererseits, weil das Rolling Stones Event das erfolgreichste Einzelrockevent in Deutschland des letzten Jahres war. Den Preis holten zuletzt jedoch Firmen aus Schweden und England.

>>> Info: Die Zukunft des Kinos

  • Die Ideen, was sich mit der Leinwand des Kinos alles anstellen lässt, sind sehr zahlreich. Mit Live-Übertragungen von Opern und Balletten muss es nicht aufhören.
  • „Lost in London“ heißt beispielsweise ein Filmexperiment: Der Film wurde in einer Nacht in London gedreht und live in 500 Kinos in den Staaten übertragen. Gefilmt wurde mit nur einer Kamera. 14 Drehorte gab es in den 103 Minuten zu sehen.
  • Bei „Late Shift“, einem anderen Experiment, können die Zuschauer mit einer App 180 Mal in den Film eingreifen.
  • Als Bereich mit reichlich Zukunftspotential sieht Unternehmer Thomas Schülke auch den E-Sport, also Wettkämpfe in digitalen Welten.

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