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„Aliens-Verordnung“ der EU bedrängt den Bochumer Nasenbären

Nasenbär, Tierpark Bochum, Foto: Tierpark  Nasenbär, Tierpark Bochum, Foto: Tierpark (See attached file: Foto(C)TPBO_2.jpg)

Nasenbär, Tierpark Bochum, Foto: Tierpark Nasenbär, Tierpark Bochum, Foto: Tierpark (See attached file: Foto(C)TPBO_2.jpg)

Bochum.   Eine EU-Verordnung, die Arten aus anderen Kontinenten aus Europa eindämmen will, betrifft auch den Nasenbären im Bochumer Tierpark.

Eine so genannte „Aliens-Verordnung“ der Europäischen Union bringt den Nasenbär im Tierpark in Verlegenheit. Muss er etwa wieder abgeschafft werden, weil er nicht nach Deutschland gehört? Theoretisch ja, aber praktisch wohl kaum.

Die Verordnung 1143/2014, die bereits 2015 in Kraft trat, regelt den zukünftigen Umgang mit gebietsfremden, aus anderen Ländern und Kontinenten eingewanderten und eingeführten Pflanzen- und Tierarten. Zentrales Element ist eine 2016 veröffentlichte Liste mit 37 „invasiven Tier- und Pflanzenarten“, die nicht mehr in die EU eingeführt, dort gehalten, gezüchtet, transportiert, gekauft, verkauft, getauscht oder freigesetzt werden dürfen. Darauf steht auch der Nasenbär. Er stammt aus Mittel- und Südamerika. Dem Tierpark zufolge ist er auf dem Gelände an der Klinikstraße „ein wahrer Publikumsliebling“.

Ausnahmeregelung

Der Tierpark will auf jeden Fall dafür sorgen, dass für seinen „Nasua Nasua“, so die wissenschaftliche Bezeichnung, eine Ausnahmeregelung gilt. Und alles deutet darauf hin, dass es so kommt. Tierpark-Direktor Ralf Slabik hat vor einigen Tagen Dr. Renate Sommer empfangen, Mitglied des EU-Parlaments und des dortigen Ausschuss für Umweltfragen. Sie besprachen die praktischen Folgen der Verordnung für den Zoo.

Slabik: „Wir begrüßen das europäische Vorgehen gegen invasive, gebietsfremde Tierarten im Freiland, welches Schädigungen europäischer Ökosysteme unterbinden soll, kritisieren aber die Ausweitung der Verbote auf die Zootierhaltung.“ Zoos seien nicht verantwortlich für die massive Einbringung und Ausbreitung gebietsfremder Tierarten, da sie gesetzlich ohnehin dazu verpflichtet seien, ihre Tiere am Entweichen in die Umwelt zu hindern. „In ihrer Stellung als bedeutende Umweltbildungseinrichtungen unterstützen Zoos vielmehr die EU in ihrem Bestreben, die Bevölkerung anschaulich über ,Invasivarten’ und deren mögliche Einfuhrpfade zu informieren. Wir müssen alle Tierarten, die unter die Verordnung fallen, weiter halten und züchten dürfen.“ Die Nasenbären seien weit davon entfernt, sich in Deutschland zu etablieren, eine flächendeckende Ausbreitung durch einen Ausbruch aus Zoos sei ausgeschlossen.“

Zoos sollen auch künftig Tiere halten

Der Tierpark zitierte Dr. Renate Sommer nach dem Treffen so: „Der europäische Gesetzgeber hat den EU-Mitgliedstaaten bei der ‚Aliens-Verordnung‘ die Möglichkeit eingeräumt, Ausnahmegenehmigungen für Zoos zu erteilen. Wir wollen, dass Zoos auch in Zukunft Tiere halten dürfen, die auf der Liste stehen. Es ist jetzt Aufgabe des Bundestages, in dieser Richtung tätig zu werden.“

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