Hazard-Interview

Hazard zum Schubert-Aus: "Die Mannschaft ist schuld"

Thorgan Hazard.

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Thorgan Hazard. Foto: dpa

Marbella.   Thorgan Hazard war in der Hinrunde noch einer der stärksten Borussen. Im Interview spricht er über das Schubert-Aus - und seine Hochzeit.

Auf seine frisch vermählte Marie musste Thorgan Hazard in den vergangenen Tagen erst einmal verzichten. Für eine ausführliche Hochzeitsreise blieb nach der Vermählung mit seiner langjährigen Lebensgefährtin kurz nach Weihnachten schlicht keine Zeit mehr: Trainingslager mit Bundesligist Borussia Mönchengladbach in Marbella statt langer Flitterwochen mit der Familie. Die Arbeit als Fußballprofi geht vor. Zumal mit Dieter Hecking ein neuer Chef die zuletzt so holprigen Abläufe im Gladbacher Ballspiel verbessern will.

Herr Hazard, hoffen Sie auch auf das Fußball-Sprichwort: Neuer Trainer, neues Glück?

Thorgan Hazard: So einfach ist das bei uns nicht.

Warum nicht?

Hazard: Erstens ist die Mannschaft auch mit schuld daran, dass Trainer André Schubert gehen musste. Wir standen auf dem Platz und haben es im November und Dezember nicht gebracht. Ich glaube, wir müssten viel besser sein als Platz 14 in der Bundesliga-Tabelle.

Was wäre in Ihrer Erklärung zweitens?

Hazard: Wir müssen unser Selbstvertrauen aufpolieren, das kann mit einem neuen Trainer besser gelingen. Vielleicht haben wir uns zuletzt viele Negativgedanken eingeredet. Und uns so ein wenig selbst in die Abwärtsspirale reingedreht.

Gerade auswärts ist Borussia seit langem Punktelieferant. Ist das mittlerweile eine Psychosache?

Hazard: Glaube ich nicht. Wir haben ja auswärts schon gute Leistungen gebracht und trotzdem unglücklich verloren. Das müssen wir endlich ändern. Für unsere beiden Auftaktspiele in Darmstadt und in Leverkusen setze ich auf sechs Punkte. Dann kann uns noch einmal ein großer Lauf gelingen.

Wieder bis nach Europa, wie in der vergangenen Saison?

Hazard: Ich denke nicht an Europa, nur an die Bundesliga, die ist viel wichtiger.

Hat Ihnen die Heirat mit Ihrer langjährigen Lebensgefährtin Marie kurz nach Weihnachten einen emotionalen Schub verliehen?

Hazard: Das zu sagen, wäre übertrieben. Wir sind schon acht Jahre zusammen und haben nun auch amtlich besiegelt, dass es weiter so sein wird. Aber der Hochzeitstag war natürlich klasse.

Wo haben Sie gefeiert?

Hazard: In der Nähe von Maas-Mechelen nahe der belgisch-deutschen Grenze. Von Borussia war mein Freund Ibrahima Traoré mit seiner Freundin dabei. Meine Familie war natürlich auch da.

Sie hatten im November gemeinsam mit Ihrem Bruder Eden, der als Linksaußen beim FC Chelsea einen Marktwert von 65 Millionen Euro besitzt, gegen die Niederlande beim 1:1 einen Testeinsatz in der belgischen Nationalmannschaft.

Hazard: Ja, eine halbe Stunde. Ich würde mich freuen, wenn es noch mehr gemeinsame Einsatzzeit wird. Mit dem neuen Trainer (der Spanier Roberto Martinez vom FC Everton für den Ex-Schalker Marc Wilmots, d. Red.) habe ich auch eine neue Chance erhalten. In der WM-Qualifikation für das Turnier 2018 in Russland sind wir Gruppenerster und können im März mit einem Sieg gegen den Zweiten Griechenland einen weiteren großen Schritt machen.

Stört es Sie eigentlich, mit Ihrem Bruder Eden oft verglichen zu werden?

Hazard: Ich bekomme zu Eden immer dieselben Fragen gestellt und gebe seit zehn Jahren die dieselben Antworten. Er ist Eden und ein Weltklassespieler, ich bin Thorgan - und auch nicht so schlecht.

Ihr Vertrag in Gladbach läuft bis 30. Juni 2020. Ihr Ex-Klub Chelsea, wo Ihr Bruder Eden seit 2012 spielt, soll ja eine Rückkaufklausel besitzen.

Hazard: Die Vertragsdetails regelt mein Vater Thierry. Er ist der Chef, wenn es um diese Dinge geht. Eines ist klar: Borussia heißt meine Aufgabe, und die ist groß. An alles andere verschwende ich gar keinen Gedanken.

Läuft denn mit Ihren beiden Brüdern wieder eine Saisontorwette?

Hazard: Das machen wir immer so. Ist aber derzeit ein wenig unfair. Mein jüngerer Bruder Kylian musste bei Ujpest Budapest wegen eines Kreuzbandrisses im Knie sechs Monate pausieren und rückt gerade erst wieder in die Mannschaft.

Und Eden hat für Premier-League-Tabellenführer Chelsea schon neunmal getroffen.

Hazard: Ja, er ist verdammt gut drauf. Meine vier Treffer für Borussia sind aber auch nicht schlecht. Ich hoffe, ab dem Darmstadt-Spiel kommen von mir noch ein paar Tore obendrauf.

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