Erzählen

Erster Weltgeschichtentag in Südwestfalen

Märchen wie das von  Rotkäppchen werden in vielen Kulturen erzählt.

Foto: jcrosemann

Märchen wie das von Rotkäppchen werden in vielen Kulturen erzählt. Foto: jcrosemann

Südwestfalen.   Die analoge Kulturtechnik des mündlichen Erzählens erlebt einen neuen Aufschwung. Südwestfalen bittet am 19. März zum Weltgeschichtentag

Hinter den sieben Bergen, da gibt es sie, tatsächlich, die sieben Zwerge. Vielleicht sogar auch mehr von ihnen. Möglicherweise haben sie sich vor der lauten Welt ins Felsenmeer in Hemer zurückgezogen? Das erfahren die Besucher am Sonntag beim Weltgeschichtentag in Südwestfalen.

Erstmals beteiligt sich die Region an dieser Aktion der internationalen Märchengesellschaften. Damit soll die uralte Kulturtechnik des mündlichen Erzählens in den Blickpunkt gerückt werden. Immerhin gehört das Märchenerzählen inzwischen zum immateriellen Weltkulturerbe.

Netzwerk der Erzähler

„Wir möchten gerne das Geschichtenerzählen in der Region stärken“, erläutert Susanne Thomas, Geschäftsführerin der Kulturregion Südwestfalen. „Einige Erzählerinnen haben sich zu einem kleinen Netzwerk zusammengefunden, und die sind auf die Idee gekommen.“ An vier Orten, in Attendorn, Hilchenbach, Hemer und Freudenberg, wird am Sonntag erzählt. Das Südsauerlandmuseum in Attendorn und die Wilhelmsburg in Hilchenbach sind zentrale Schauplätze der Aktion. Dort können sich die Besucher zwischen 14.30 Uhr und 18 Uhr auf Geschichten freuen, die von Verwandlungen berichten: Wie aus dem Frosch der Prinz wird und aus dem Aschenputtel die Prinzessin, aber auch, wie aus dem Eisen Draht wird und aus Getreide Brot.

Denn beim Erzählen geht es nicht nur um klassische Märchen: „Bei uns in der Region wird ja an allen Ecken und Kanten erzählt, zum Beispiel bei Stadtführungen im Kostüm. Es gibt viele örtliche Sagen und Legenden, Erinnerungen aus der Landschaft heraus und von früher. Und nicht nur Erzähler erzählen, sondern auch Theaterkünstler und Maler“, beschreibt Susanne Thomas den breiten Ansatz des Projektes. Deshalb ist sie gespannt, wie der erste südwestfälische Weltgeschichtentag ankommt. „Das Ziel ist, dass wir in drei, vier Jahren ein richtiges Erzählfestival mit dezentralen Orten anbieten.“

Das mündliche Erzählen ist wichtig, vor allem im digitalen Zeitalter, davon ist Susanne Thomas überzeugt. „Erzählen ist eine Begegnungskultur, man lernt wieder das Zuhören. Das Thema Geschichtenerzählen kommt immer stärker nach vorne in den vergangenen Jahren.“

Auf den Spuren der Geschichte

Begegnungskultur meint mehr als sich auf die Spuren der eigenen Geschichte zu begeben. Auch die Geschichten anderer, fremder Menschen warten auf ihre Entdeckung. So werden am Sonntag in Hilchenbach auch Flüchtlinge erzählen. „In dieser Materie liegt ganz viel Potenzial, gerade in dieser Region. Das ist ein Schatz, den man heben und finden kann.“

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