Erinnerungen

Projekt „Zeit-Räume“ – so war das damals im Ruhrgebiet

Präsentierten „Zeit Räume“ (v.l.): Theo Grütter, Dieter Nellen, Karola Geiß-Netthöfel und Stefan Berger.

Foto: Kai Kitschenberg

Präsentierten „Zeit Räume“ (v.l.): Theo Grütter, Dieter Nellen, Karola Geiß-Netthöfel und Stefan Berger. Foto: Kai Kitschenberg

An Rhein und Ruhr.   Der Regionalverband Ruhr und Partner rufen Bürger auf, persönlichen Erinnerungsorte zu benennen. Ein Buch ist geplant.

Es geht um Erlebnisse, Heimat, um das, was die Zeit damit macht – und nicht zuletzt ums Wir-Gefühl in der Region: Im Auftrag des Landes sowie des Regionalverbandes Ruhr (RVR) suchen das Ruhr Museum und Wissenschaftler der Ruhr-Uni Bochum die „Erinnerungsorte des Ruhrgebietes“ – Mithilfe ausdrücklich erwünscht! „Die Zukunft kann man nur gestalten, wenn man die eigene Vergangenheit kennt“, meint RVR-Chefin Karola Geiß Netthöfel.

Das Projekt „Zeit -Räume“ wurde gestern auf Zollverein in Essen vorgestellt; zugleich wurde eine Onlineplattform freigeschaltet. Bürger sind aufgerufen, bis zum 31. Dezember 2017 ihre persönlichen „Erinnerungsorte“ hochzuladen und über sie zu diskutieren. Über soziale Medien wie Facebook soll die Diskussion breit moderiert werden.

Das Projekt (Kosten: 300.000 Euro auf drei Jahre) hat schon etwas Vorlauf. Wissenschaftler und Beirat haben mal überlegt, was solche „Erinnerungsorte“ sein könnten. Her-ausgekommen ist eine Liste von 47 Beispielen. In der Kategorie „Landschaft & Stadt“ werden etwa Kanäle und Flüsse, der Ruhrschnellweg oder die Halden genannt. Bei „Menschen & Typen“ sind es u. a. die Kumpel, Migranten oder die Ruhrbarone. „Industrie & Arbeit“ gibt es als weitere Kategorie (z. B. Kohle und Stahl), und diese ist untrennbar verknüpft mit „Kultur & Freizeit“ (z. B. Fußball, Kneipe, Currywurst und Döner, Trinkhallen, Ruhrfestspiele). Brüche und Dramatik dürfen nicht fehlen. In der Kategorie „Krisen & Konflikte“ wird etwa der Arbeitskampf von Rheinhausen genannt.

Der Blick der Generationen

Theo Grütter, Chef des Ruhr Museums, hob hervor, dass jede Generation ihren eigenen Blick auf „Erinnerungsorte“ habe – oder überhaupt ganz eigene Orte: „Für uns 60-Jährige ist das Bermuda-Dreieck in Bochum ein solcher Ort, da haben wir während des Studiums die meiste Zeit verbracht.“ Seine Patenkinder hingegen, um die 20, würden eher die Coca-Cola-Oase im Centro als „Erinnerungsort“ einstufen.

Im nächsten Jahr, also 2018, wenn in Bottrop die letzte Revierzeche schließt, dann sollen die „Erinnerungsorte“ im Sommer auf einem „Konvent“ diskutiert werden. Einige Monate später soll ein Buch erscheinen, dass die Orte von der schon erarbeiteten Liste mit einer Auswahl aus der Bürgerbeteiligung via Onlineplattform vereint. Der Blick nicht auf einzelne Orte, sondern auf sie in der Summe ist den Machern von „Zeit-Räume“ wichtig. Es gelte, deren Vielfalt herauszuarbeiten und Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu verknüpfen.

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