Parallelmarkt

Warum Chinesen massenhaft Shampoo in Deutschland kaufen

Angebote wie dieses gibt es zuhauf auf der chinesischen Online-Plattform Taobao. Dabei kann man das deutsche Shampoo auch ganz regulär in China kaufen.

Foto: Taobao / Screenshot Taobao

Angebote wie dieses gibt es zuhauf auf der chinesischen Online-Plattform Taobao. Dabei kann man das deutsche Shampoo auch ganz regulär in China kaufen. Foto: Taobao / Screenshot Taobao

Berlin  Es ist eine kuriose Masche: Chinesen kaufen Shampoos in Deutschland, um sie teuer zu exportieren. Dabei gibt es die Produkte auch dort.

Vor einigen Jahren war es Milchpulver, jetzt scheinen Chinesen ein neues Lieblingsprodukt aus Deutschland zu haben: Alpecin-Shampoo aus Bielefeld. Zuhauf wird das Produkt auf der Online-Plattform Taobao angeboten, einer Art chinesischem eBay. Als Qualitätsmerkmal gilt dabei, dass es in Deutschland gekauft wurde. Dabei stammen auch die in China direkt angeboten Shampoos aus deutscher Produktion.

„Wir haben lange gebraucht, um zu verstehen, was da genau passiert“, sagt Marcel Klöpping, Pressereferent des Alpecin-Herstellers „Dr. Wolff“ unserer Redaktion. Hundertprozentig sicher sei man sich zwar immer noch nicht, aber fest stehe: „Wir haben in Deutschland Verkaufsspitzen festgestellt, die in keiner Logik zu hier geschalteter Werbung stehen.“ Dafür aber zu TV-Spots in China.

Kassenzettel als Echtheitsbeleg

Wenig später landet die in Deutschland gekaufte Ware bei Taobao. Die Fotos neben den Angeboten sind zum Teil eindeutig in Filialen der deutschen Drogeriemarktketten Rossmann und dm entstanden. Der Verkäufer hält das Shampoo dabei in der Hand und fotografiert es vor dem Warenregal. Kassenzettel werden als eine Art Echtheitsbeleg genutzt. Dennoch teilte Rossmann auf Nachfrage mit, dass das Phänomen dort nicht bekannt sei. Dm hat sich bisher noch nicht geäußert. Der Preis für das Produkt beläuft sich auf Taobao nicht selten auf 75 Renminbi, umgerechnet etwa 10,30 Euro. In Deutschland kostet das Shampoo knapp 4 Euro.

Volles Haar gilt als Statussymbol

Dass die Verkäufer überhaupt Abnehmer finden, ist auf den ersten Blick verwunderlich. Schließlich verkauft die „Dr. Wolff Gruppe“ ihre Marke Alpecin auch in Asien in mehr als 2000 Filialen und im Online-Handel.

Trotzdem scheint das Vertrauen in das Produkt laut Klöpping größer zu sein, wenn es aus dem deutschen Handel kommt. Und beim Thema Haare überlässt der Asiate ohnehin lieber nichts dem Zufall: Dunkles, volles Haar gilt dort als Statussymbol – da kommen die sogenannten Tuning-Produkte aus Bielefeld gerade recht. Sie sollen etwa gegen Haarausfall und Kopfhautprobleme helfen. „Wir treffen dort einen Nerv“, sagt Klöpping.

Asien wichtiger Markt für „Dr. Wolff“

Jedes vierte Shampoo, das „Dr. Wolff“ fürs Ausland produziert, geht inzwischen nach Asien. Mehr als sechs Millionen Flaschen habe man in den vergangenen Jahren dorthin verkauft. 2016 konnte das Unternehmen seinen vorläufigen Umsatz zum zwölften Mal in Folge auf etwa 290 Millionen Euro steigern – insbesondere dank der Expansion auf den asiatischen Markt.

Gegen den Parallelmarkt einschreiten will „Dr. Wolff“ nicht. „Im Grunde freuen wir uns über alles, was durch die Digitalisierung leichter wird. In diesem Fall ist es aber wohl Fluch und Segen“, sagt Klöpping. Immerhin kauften die Chinesen die Originalprodukte.

Ähnliche Erfahrungen bei Milchpulver

Dass deutsche Waren hohes Ansehen in China genießen, konnten Verbraucher bereits vor einigen Jahren feststellen. 2013 hatte die Drogeriemarktkette dm die Abgabe von Babymilch-Produkten eingeschränkt, um Hamsterkäufe zu verhindern. Damals hatten Lebensmittelskandale die chinesischen Konsumenten verunsichert – und sie ebenfalls über Taobao auf deutsche Produkte umschwenken lassen.

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik