Schule

Abitur-Online - Der etwas andere Weg zum Abitur

Beim Abitur-Online sind die Schüler nur an zwei Tagen in der Schule.

Foto: dpa

Beim Abitur-Online sind die Schüler nur an zwei Tagen in der Schule. Foto: dpa

Gelsenkirchen.   Hört sich gut an, ist aber nicht so einfach. Disziplin und eigenverantwortliches Arbeiten sind dabei erforderlich. Oliver Otte kennt sich aus.

Es ist Mittwoch und ein kompletter Kurs der Jahrgangsstufe elf bleibt dem Schulgelände des Weiterbildungskollegs Emscher Lippe fern. Keinen stört es, weil er regulär erst am Donnerstag erwartet wird. Und dabei handelt es sich nicht um einen gewöhnlichen Kurs. Alle Schüler dieses Klassenverbands bestreiten nämlich einen ungewöhnlichen Weg zum Abitur. Dieser Weg nennt sich: „Abitur-Online“ und wird derzeit von 19 Schulen in NRW angeboten. Das Abitur übers Internet erlangen – wie kann das funktionieren?

Sitzen die Schüler vor ihren Monitoren und kommunizieren mit dem jeweiligen Lehrer per Chat? Läuft alles digital? Sieht so die Gegenwart in spe aus? Nicht ganz! Die Realität besteht aus einer Mischung des traditionellen Unterrichts und einiger digitaler Komponenten. So ganz ohne den Pauker geht’s dann halt doch nicht! Aus diesem Grund setzen sich die Schüler ganz traditionell an zwei Tagen die Woche in die guten alten Klassenräume, um dem Lehrer zu lauschen, ihn zu ärgern, zu beeindrucken und bestenfalls von seinem Wissen zu profitieren. Diese Zeit der Anwesenheit nennt sich Präsenzphase. Ihr Pendant bildet die Distanzphase. Die Besonderheit: Im Gegensatz zur starr terminierten Präsenzphase ist die Distanzphase von jedem Studierenden individuell festzulegen. Mancher büffelt nach dem Präsenzunterricht direkt weiter, andere hauen an zwei Tagen die Woche richtig ins Zeug und wieder andere teilen sich die Arbeit, wie kleine Snacks, häppchenweise auf. Flexible, frei wählbare Arbeitszeiten – hört sich gut an, fordert jedoch auch enorme Disziplin, da die Struktur nicht von außen gewährt wird.

Wer selten vor Ort ist, dem kann man nichts „vorkauen“

Eine weitere Besonderheit dieses speziellen Formats ist die Notwendigkeit, die Aufgaben der Distanzphase im wöchentlichen Rhythmus zur Korrektur einzusenden. Verstecken gibt’s nicht! Einerseits mag dies für die Studierenden belastend sein. Immerhin scheint jeder ihrer Schritte zum Abitur kritisch beäugt zu werden. Andererseits erhält so jeder eine Rückmeldung. Auch die Stillen erfahren Würdigung.

Wer so selten vor Ort ist wie Abi-Onliner, dem kann man natürlich auch nicht viel „vorkauen“. Bedeutet: Eigenverantwortlichkeit ist unumgänglich. Der individuell wählbare Zeitaufwand zur Bearbeitung von Aufgaben kann den Schnellen unter den Studierenden die eine oder andere Stunde Freizeit schenken. Wer schnell fertig ist, kann schnell gehen! Der Gong hat keine Macht mehr. Doch wenn die Sonne und das Freibad rufen, zeigt sich, wer beharrlich ist und wer nicht. Nur wer Disziplin, Durchhaltevermögen und Flexibilität sein Eigen nennt, schafft es den Weg bis zum Ende zu gehen.

Qualmende Köpfe und qualmende Rechner

Doch wer sind eigentlich die Adressaten dieses Formats? Vor allem für Berufstätige, die sich neben der Arbeit weiter qualifizieren wollen, ist Abitur-Online wie geschaffen. Generell lässt sich sagen, dass die Online-Variante jeden anspricht, der sein Abitur oder Fachabitur erreichen oder nachholen möchte, jedoch – aus welchen Gründen auch immer – nicht in der Lage ist, Vollzeit zum Unterricht zu erscheinen.

Hier und da wird die Teilnahme an der Online-Variante gerne mal belächelt. Letzten Endes machen alle dasselbe Abitur. Das Zentralabitur macht keinen Unterschied bei den Studierenden.

Abitur-Online – Der etwas andere Weg zum Abitur birgt nicht länger nur die Gefahr qualmender Köpfe, sondern auch qualmender Rechner.

Oliver Otte, Klasse: AOV2, Weiterbildungskolleg Emscher-Lippe, Gelsenkirchen

Seite
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben